Roger Stein

Programm: Lieder ohne mich

Samstag, 18. März 2017

Roger Stein ist Sänger, Songwriter, Pianist und Erzähler zugleich – aber vor allem ist er Poet, schafft er es doch, Schmerz und Melancholie in Wärme und Leichtigkeit zu hüllen und damit der Tragik die Kälte zunehmen. Wie? Indem er der Wirklichkeit mit Humor entgegentritt. „Humor ist das letzte Mittel“, so Stein, „mit dem man gegenüber dem Schmerz Würde bewahren kann.“ Es sind nicht die Schönwettergeschichten, die sich in seinen Liedern widerspiegeln, im Gegenteil. Er ist unmittelbar, ehrlich, persönlich und schonungslos zugleich. Es ist ein leiser Humor, der sich durch die Erzählweise der Geschichten zieht und der jeder Tragik ein kleines, aber entschiedenes  Trotzdem entgegen setzt. Ein bisschen naiv, ein bisschen trotzig, ein bisschen spottend, aber immer im Glauben an das Gute erzählt Stein seine Geschichten auf dem Album Lieder ohne mich. Zum Beispiel die von Alfred, dessen Leben in strahlendem Postkartenblau erscheint, bis er sich in einen Mann verliebt, oder das Klassentreffen, wo er scharfzüngig das Wiedersehen mit einer Jugendliebe beschreibt: Enttäuscht darüber, dass diese damals einen anderen geheiratet hat und gleichzeitig froh, dass alles so gekommen ist, wie es ist. Manchmal verselbstständigen sich die Geschichten in seinen Liedern so sehr, dass sie jegliche herkömmliche musikalische Form sprengen. So erzählt er in dem über acht Minuten langen Lied 1890 (Berner Oberland) eine Familiengeschichte über ein Jahrhundert und zwei Weltkriege hinweg. Der kleine Junge, der am Ende verständnislos in die Welt blickt, ist er selbst, denn es ist seine eigene, ganz persönliche Familiengeschichte. Gleichzeitig wird deutlich, dass Stein sich nicht von konventionellen Liedformen einengen lässt. „Die Lieder gehen ihren eigenen Weg – auch wenn dieser Weg manchmal unkonventionell ist.“ Und immer sind Steins Texte von einer poetischen Sprache durchdrungen. Einer Sprache, die mit blitzenden Formulierungen am Hirn vorbei fadengrad ins Herz zielt.
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